Sicherheit für Hersteller und Verbraucher: Internationaler Workshop bestätigt messtechnische Eignung und Anströmstabilität von Messkapsel-Wasser- und -Wärmezählern!

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13.12.2013 12:00

Sicherheit für Hersteller und Verbraucher: Internationaler Workshop bestätigt messtechnische Eignung und Anströmstabilität von Messkapsel-Wasser- und -Wärmezählern!

Gemeinsame Pressemitteilung von Arbeitsgemeinschaft Heiz- und Wasserkostenverteilung und Verband der deutschen Wasser- und Wärmezählerindustrie

Am 23.10.2013 fand in der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) ein viel beachteter internationaler Workshop über neue Forschungsergebnisse und deren Konsequenzen für die Regelsetzung auf dem Gebiet der Wasser- und Wärmemessung statt. Mehr als 60 Vertreter von Metrologieinstituten, Eichbehörden, Messgeräteherstellern, Abrechnungsfirmen und Versorgern aus 12 Ländern waren der Einladung nach Braunschweig gefolgt.

Kernthema der Vorträge und Diskussionen war die messtechnische Eignung und Anströmstabilität von Messkapselzählern wie sie im Wesentlichen bei Verbrauchern in der Haustechnik, also bei der Wassermessung in Wohnungen, in Kombination mit ihren Anschluss-Schnittstellen (als Teil der Rohrleitung) eingesetzt werden. 17 Millionen installierte Zähler und ein Abrechnungsvolumen von ca. 498 Millionen m3 Trinkwasser jährlich allein in Deutschland zeigen die Marktbedeutung dieses technologischen Ansatzes, dessen Anwendung durchaus nicht nur auf Deutschland beschränkt ist.

Die vorgestellten Untersuchungsergebnisse wurden im Rahmen eines speziellen Forschungsvorhabens über einen Zeitraum von viereinhalb Jahren von der PTB in enger Kooperation mit dem Verband der deutschen Wasser- und Wärmezähler Industrie e.V. (VDDW) und der Arbeitsgemeinschaft Heiz- und Wasserkostenverteilung e.V. (ARGE HeiWaKo) erarbeitet.

In insgesamt 12 Vorträgen wurden die konkreten Forschungsergebnisse vorgestellt und die abzuleitenden Konsequenzen ausführlich erläutert. Zu diesen Konsequenzen gehören beispielsweise die eindeutige Kennzeichnung zusammengehöriger Messkapselzähler und Anschluss-Schnittstellen und die Berücksichtigung speziell entwickelter Konstruktionsprinzipien für verbesserte und messtechnisch zuverlässige Zähler.

Als Ergebnis können folgende Fakten festgehalten werden:

  • Die derzeit eingesetzten Messkapsel-Mehr- und -Einstrahl-Technologien werden von den Anströmbedingungen wenig beeinflusst.
  • Daraus ergibt sich, dass diese Technologien für die Wohnungswasser-Messung uneingeschränkt geeignet sind.
  • Der bislang verwendete Begriff der “Messkapsel” beschreibt einen vollständigen zulassungsfähigen Wasserzähler (Messkapselzähler) der über die vordefinierte Anschluss-Schnittstelle ins Rohr montiert wird.
  • Auf der Basis des experimentellen Nachweises ihrer messtechnischen Eignung wurde die europäische Wasserzähler-Norm EN 14154 um die Messkapselzähler entsprechend erweitert.
  • Adaptionen an Anschluss-Schnittstellen zum Zwecke des Einsatzes von Messkapselzählern in Schnittstellen fremder Bauart sind unter dem Dach der Europäischen Messgeräterichtlinie nicht mehr zulässig.
  • Die wesentlichen Funktionsmaße der Anschluss-Schnittstellen sind genormt und damit offengelegt.
  • Eine Kodierung von Messkapselzählern grundsätzlich und von neu installierten Anschluss-Schnittstellen sichert die korrekte Zuordnung von Zähler und Schnittstelle. Aktuell in den Markt gelieferte konformitätsbewerte Messkapselzähler besitzen eine normgerechte Kennzeichnung innerhalb der Zifferblattbeschriftung Die Anschluss-Schnittstellen, die künftig ausgeliefert werden, sind entsprechend zu kennzeichnen.
  • Existierende Anschluss-Schnittstellen inklusive eventueller Adaptionen, die auf aktuell genormte Anschluss-Schnittstellen zurückzuführen sind, werden in einer noch festzulegenden Weise nachgekennzeichnet werden, um auch im Bestand Eindeutigkeit und Sicherheit der Zuordnung von Messkapselzähler und Anschluss-Schnittstelle, das heißt auch weiterhin einen entsprechenden Bestandsschutz zu gewährleisten.
  • Verstärktes Augenmerk ist auf die korrekte Montage der Messkapselzähler in ihre Anschluss-Schnittstellen zu richten; ebenso wesentlich ist die Adaption der vorgeschlagenen Konstruktionsprinzipien seitens der Hersteller bei Neuentwicklungen, um die Installation insbesondere von Messkapselzählern generell sicherer zu gestalten.

Bedeutung und Zukunftsorientierung des Workshops und seiner Ergebnisse können mit den Worten von Dr. Roman Schwartz, Leiter der Abteilung Mechanik und Akustik der PTB und Erster Vizepräsident des Internationalen Komitees für gesetzliches Messwesen CIML aus seiner Begrüßungsrede zusammengefasst werden:
„Im Rahmen des Forschungsvorhabens wurde ein ausgesprochen umfangreiches experimentelles Programm absolviert. Unter Verwendung der metrologischen Infrastruktur der PTB, modernen Diagnostikverfahren wie der Laser-Doppler-Anemometrie sowie Methoden aus Statistik und Ähnlichkeitstheorie konnte ein besseres Verständnis der Strömungsprozesse im Inneren von Wasserzählern erreicht werden. Dies bildet neben den wissenschaftlichen Erkenntnissen nun auch eine wertvolle Basis für weitere Aktivitäten auf dem Gebiet der Standardisierung und Regelsetzung sowie den zuverlässigen Umgang mit Messkapsel-Wasser- und –Wärmezählern in der Praxis.“

Abschließend soll darauf verwiesen werden, dass die Forschungen fortgesetzt werden, wobei sich die nächsten Arbeiten vor allem auf die Untersuchung des Verhaltens von Wasser- und Wärmezählern unter realen Einsatzbedingungen – zum Beispiel bei wechselnden Durchflüssen und in Abhängigkeit von unterschiedlichen Wasserqualitäten – konzentrieren werden. Auch hierbei sollen die Ergebnisse unmittelbar in die entsprechenden Vorschriften einfließen und die derzeitigen Regeln entsprechend optimieren und, wo möglich, auch flexibilisieren.

Weiterführende Informationen unter:
PTB-Bericht MA 90: Gudrun Wendt u.a.:
Untersuchung und Entwicklung strömungsprofilunempfindlicher Wasser- und Wärmezähler und deren mechanischer Schnittstellen. Braunschweig September 2012


Teilnehmer des Internationalen Workshops on Water and Heat Meters aus 12 Ländern, Physikalisch-Technische Bundesanstalt Braunschweig, 23. Oktober 2013

Teilnehmer des Internationalen Workshops on Water and Heat Meters aus 12 Ländern, Physikalisch-Technische Bundesanstalt Braunschweig, 23. Oktober 2013

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