Alle zahlen für Einen

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01.02.2014 12:00

Alle zahlen für Einen

Pressemitteilung vom 01.02.2014

Steigende Heizkosten durch erhöhtes Wärmebedürfnis Einzelner
Hausmeister in Mehrfamilienhäusern können ein Lied davon singen: Selbst bei optimal eingestellter Heizanlage klagen spätestens mit den ersten kalten Herbsttagen einzelne Bewohner, dass es in der eigenen Wohnung nicht warm genug werde und man doch die Heizung etwas höher drehen soll. Schließlich zahle man ja im Rahmen der Heizkostenabrechnung auch die Mehrkosten dafür. Das sind zum Beispiel Menschen mit erhöhtem Wärmebedürfnis, immer wieder aber auch Halter exotischer Tiere, die ihren wechselwarmen Amphibien höhere Raumtemperaturen gönnen möchten. Gegen ein Verstellen der Heizkurve für höhere Raumtemperaturen des Einzelnen wäre eigentlich nichts einzuwenden, wenn da nicht die Folgen für die Hausgemeinschaft wären. Die werden regelmäßig nicht bedacht und meistens unterschätzt.
Ob und welche Mehrkosten dies verursacht, hat das Institut für Energietechnik an der Technischen Universität Dresden im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft Heiz- und Wasserkostenverteilung untersucht. Anhand von Fallbeispielen zeigt die Studie, dass sich das stärkere Wärmebedürfnis einzelner Bewohner auf die Wärmebilanz des gesamten Hauses auswirkt. Solche Forderungen sind technisch nur mit dem Anheben der zentralen Vorlauftemperatur zu erfüllen. Die Wärmebedarfswerte der Gebäude und damit auch die Energieträgerzufuhr (Endenergiebedarf Raumheizung) erhöhen sich dann zwischen 4 Prozent bei älteren Häusern und bis zu 11 Prozent bei Neubauten. Deshalb sollten Vorlauftemperatureinstellungen nicht leichtfertig erhöht werden. Die meist unnötigen Kosten dafür müssen alle Bewohner des Gebäudes bezahlen.

Untersuchungen an Mehrfamilienhäusern

Die Untersuchungen zum Mehrverbrauch wurden an zwei repräsentativen Mehrfamilienhäusern mit zwölf Wohneinheiten durchgeführt. Die Wohnungen haben eine Grundfläche von durchschnittlich 95 Quadratmetern. Um Ergebnisse für unterschiedliche Baualtersklassen zu erhalten, wurde der veränderte Heizwärmeverbrauch für zwei Gebäude berechnet, eines nach der Wärmeschutzverordnung ab 1982 und eines nach der Energieeinsparverordnung (EnEV) ab 2009. In ersterem ergibt sich ein durchschnittlicher Jahresheizwärmebedarf pro Quadratmeter von 92,3 Kilowattstunden (kWh), beim EnEV-2009-Gebäude von 22,5 kWh. Ausgehend von einer normalen Beheizung mit 20 Grad Celsius für Wohnräume und 24 Grad für Bäder wurden verschiedene extreme Beheizungssituationen, sowohl einzeln, als auch in Kombination betrachtet. Dazu gehören das Erhöhen der Solltemperatur in einem Raum, das Erhöhen der Solltemperatur in allen Räumen, die Verringerung des Luftwechsels und das Anheben der Soll-Vorlauftemperatur für das gesamte Gebäude.

Erhöhte Vorlauftemperaturen bezahlen alle

In einem Szenario wurde untersucht, wie das Wohnzimmer in einer Wohnung auf 28 °C Raumtemperatur zu erwärmen ist. Die Raumtemperatur lässt sich nur dann erreichen, wenn die gesamte Wohnung und nicht nur ein einzelner Raum auf höhere Solltemperaturen eingestellt wird. Noch wichtiger aber: Es genügt nicht, die Heizkörperventile voll aufzudrehen, die Vorlauftemperatur für das gesamte Gebäude muss erhöht werden. Die erhöhte Raumtemperaturanforderung einer Wohnung verursacht auf diese Weise einen Endenergie-Mehrbedarf für die Solidargemeinschaft aller Bewohner von 4 bis 11 Prozent (Bild 1 und 2). Dabei ist der relative Mehrbedarf umso größer, je besser die energetische Qualität des Gebäudes ist.
Selbst wenn die mittlere Wohnungstemperatur in einem EnEV-2009-Gebäude nur von 21 auf 24 °C angehoben wird, verursacht das immer noch einen relativen Energie-Mehrbedarf von 5 Prozent, den alle zu bezahlen haben, auch wenn der Mehrheit der Bewohner die ursprünglich bereitgestellte Wärme völlig ausreicht (Bild 2).

Fazit

Abzuraten ist von schnellen Lösungen, bei denen der Hausmeister einfach die Vorlauftemperatur hochregelt, damit auch erhöhte Temperaturforderungen Einzelner erfüllt werden. Diese Möglichkeit scheint zwar praktisch und vermeidet Reklamationen, ist aber teuer für alle. Sinnvoller ist es dagegen, die Bewohner über die entstehenden Mehrkosten einer Vorlauftemperatur-Erhöhung für alle aufzuklären.

Die komplette Untersuchung “Auswirkung erhöhter Raumtemperaturen auf den Energieverbrauch” kann unter info@arge-heiwako.de kostenfrei bestellt werden.